2012 - 2022

Der Wechsel und die Nachhaltigkeit

Wie gelingt der Generationenwechsel? Christopher Haas wird alleiniger Geschäftsführer und widmet sich von Beginn an dem Themenkomplex unserer Zeit: "Nachhaltigkeit".

Welchen Ratschlag geben Sie Familienunternehmen zum Generationenwechsel aus Ihrer jeweiligen Sicht?

DH:
Normalerweise ergibt sich das aus einer guten Zusammenarbeit. CH hat es ja schon angedeutet: Man muss den Wechsel auch wirklich vornehmen, man muss selbst loslassen können. Es fällt schwer, es ist nicht immer ganz leicht, aber es geht nicht anders.

Dass er ins kalte Wasser geworfen wird und dann Fehler macht, das ist uns ja auch passiert und aus den Fehlern lernt er ja nur. Vertrauen und Ehrlichkeit sind so die zwei wichtigsten Begriffe.

CH:
Vertrauen definitiv, sonst funktioniert es nicht. Dieses „Das machen wir so, weil wir es immer schon gemacht haben“, geht da nicht.

Wenn man als junger Mensch mit einsteigt, muss man auch respektieren, was 30 Jahre lang gelaufen ist. Da kann nicht alles falsch gelaufen sein. Auf den Rat hören und die Welt nicht komplett auf den Kopf stellen. Es hat schon alles seinen bewährten und erfolgreichen Weg gemacht. Das dann anpassen, korrigieren und eigene Ideen einbringen klar, aber komplett über den Haufen werfen nicht.

Man muss sich auch zoffen können und anderer Meinung sein, aber sich respektieren. Sonst hätte ich das auch nicht gemacht. Wenn ich von vornherein wüsste, dass du der Typ „Patriarch“ bist, der da sitzt und sagt „mach erst mal 20 Jahre, dann kannst du anfangen das zu übernehmen“ dann hätte ich das nicht gemacht.

Bei denen die ich kenne, die Geschäfte übernommen haben, und das sind doch einige, da ist es letztlich so gewesen wie bei uns auch. Der Senior hat eigene Wege gehen lassen und stand mit Rat und Tat in der zweiten Reihe. Dann ist es ein fließender Prozess, man lässt immer mehr los bzw. übernimmt immer mehr.

Wenn man übernimmt, Nachfolger ist, ist die Übergangsphase unglaublich wichtig. Von heute auf morgen wäre keine gute Idee. Der fließende Übergang ist nicht einfach und hat viel Konfliktpotenzial, ist aber ganz wichtig. Da hätten wir auch besser sein können mit einem Fahrplan.

DH:
Ich habe das bei einer Firma gesehen. Da wurde der Fehler gemacht, das Geschäft nach 5 Jahren dem Sohn voll zu übertragen. Der Senior meinte dann, er könnte noch genauso mitreden wie früher. Mit den Kunden ans Mittelmeer und nach Sizilien segeln, das hat dem Sohn natürlich überhaupt nicht mehr gepasst.

Da hat es dann eine knallharte Auseinandersetzung gegeben und dann hat sich der Alte zurückgezogen. Der hat den Übergang in sich reingefressen.

CH:
Das war so ein Patriarch, der nicht loslassen konnte. Mit den Kunden segeln gehen ist ein gutes Beispiel für den Generationenwechsel, man kann die unterschiedlichen Zeiten aber auch mit Messebesuchen gut darstellen.

Bevor ich hier angefangen habe, war ich als Jugendlicher ja auch öfter mal dabei. Da standen mehr Wein- und Bierflaschen hinten im Kabäuschen als Prospekte. Auf der letzten Messe 2020 hatten wir dann nur noch Softdrinks dabei. Die Zeit hat sich komplett geändert. Wenn ich älter werde, wird das genau das Gleiche sein.

DH:
In den ersten Jahren, wo wir auf die Hannovermesse gegangen sind, da musste man Getränke wie Bier, Wein, Sekt und Schnaps auf dem Stand haben, ohne ging es gar nicht. Na ja Kaffee trinkt man noch. Ich behaupte mal, dass jeder Dritte leicht beschwipst von der Hannovermesse runter zum Auto ist.

Auf einer Messe bei uns gegenüber war ein Stand, die hatten nicht ein einziges Exponat. Die hatten nur die Biertischgarnitur mit blau-weißen Tischdecken und haben jeden Tag ein neues Fass angestochen. So war das. Dann kamen noch die Hähnchen und sonstige Sachen dazu. Das wurde so verlangt.


Christopher Haas: RKW Hessen, IHK Vollversammlung, Lenkungskreis des DGCN- was fasziniert Sie am Ehrenamt?

CH zu DH:
Du hast das ja auch schon gemacht beim Arbeitskreis Zulieferer.

DH:
Da war ich 30 Jahre lang Vorsitzender, ja. Wir waren alle im Verhältnis kleine Firmen. Da ging es um den gegenseitigen Austausch. Hat man was nicht gewusst, hat man bei jemandem angerufen und gefragt. Auch mal voneinander gekauft. Die IHK ist deine Sache.

CH:
Netzwerken ist ein Gedanke, der bei so was immer im Mittelpunkt steht. Dass man Gleichgesinnte zum Austausch hat. Es ist ja nicht nur das Geldverdienen, sondern man gibt auch immer etwas zurück und bringt sich ein, wo man sich einbringen kann.

Im Kleintierzüchterverein wäre ich nicht gut aufgehoben. Bei IHK und RKW geht es darum, von den Möglichkeiten und Dingen, die man hat, etwas zurückzugeben. Nicht nur in der Firma gestalterisch zu sein, sondern auch für die Region was zu machen. Beim RKW wird beispielsweise entschieden, welche Fördermaßnahmen umgesetzt werden, und davon profitieren wir ja auch.

Das ist einfach nicht hier in der Firma zu sitzen und zu sagen „das Wichtigste ist es, meinen Profit zu maximieren“.


Dieses Jahrzehnt wird unter anderem eingerahmt durch den Begriff „Nachhaltigkeit“. Herr Detlef Haas, was verstehen Sie darunter?

DH:
Also da habe ich, wenn ich ehrlich sein soll, noch keine absolute Meinung. Aber schauen Sie sich mal die Werbung an … Alle reden von Nachhaltigkeit. Ich habe manchmal den Eindruck, die wissen überhaupt nicht, über was die reden. Das ist nur Werbung.

CH:
Das ist so typisch. Genau deswegen ist der Begriff so schwierig, weil er nicht greifbar und nicht definiert ist. Das hieß damals noch nicht Nachhaltigkeit, aber die Grundeinstellung war schon immer hier im Unternehmen.

Nachhaltig zu wirtschaften, nachhaltig mit Mitarbeitern umzugehen, das gab es hier früher auch schon. Das hieß halt anders. Das ist so ein richtiges Generationenthema. Der Grundgedanke, der hier schon immer war, wird weitergeführt, auch wenn es jetzt anders heißt.


CSR Forum der Bundesregierung, ECO Vadis, INQA Audit, Nachhaltigkeitskodex, Nominierung für den CSR-Sonderpreis der Bundesregierung: Was kommt in den nächsten Jahren auf ihre Geschäftspartner zu?

CH:
Das was wir dieses Jahr im Januar angestoßen haben. Wir haben Ziellinien für uns definiert, was die Lieferkette betrifft, und dem müssen die Lieferanten dann gerecht werden. Wir waren noch nie die Preisbrecher am Markt.

Von Anfang an haben wir über Qualität und Service verkauft. Wenn wir heute über Qualität sprechen, dann sind es nicht die billigen fertigen Produkte, sondern die, die in Deutschland von uns und unseren Geschäftspartnern umgesetzt werden. Letztendlich werden unsere Lieferanten unsere Standards berücksichtigen müssen.